Übergeordnetes Aufenthaltsziel ist die Stabilisierung der Situation der Jugendlichen und die Evaluation entwicklungsfördernder Anschlusslösungen.


Mit dem Eintritt in die Notfallplatzierung ... erfährt die Jugendliche eine Beruhigung aus einer Notlage in Folge physischer oder psychischer Gewalt oder unzureichender Betreuung. Die Notfallplätze bietet den Jugendlichen einen geschützten Rahmen, in dem sie die notwendi- ge Sicherheit finden, die familiäre Situation mit der nötigen Distanz zu analysieren. Ferner werden Entwicklungsprozesse durch die Einleitung von Folgemassnahmen gefördert.


Die Familie wird immer wieder wichtige Entscheidungen treffen müssen. Die Mitarbeitenden der Notfallplätze können der Familie, resp. den zuweisenden Instanzen keine Entscheide abnehmen, sie unterstützen sie aber kompetent im Prozess der Ressourcenevaluierung und Entscheidungsfindung. Gegenseitiges Vertrauen bildet dabei eine solide Basis.


Die Jugendlichen sind bei Themen und Entscheidungen die sie direkt betreffen, in die Lösungsfindung massgeblich beteiligt. Konflikte, die während dieser intensiven Zusammenarbeit entstehen können, werden als wertvoll angesehen und entsprechend sorgfältig angegangen und gelöst. Abweichende Haltungen werden im Kontext des Familiensystems gesehen. Sie werden respektiert, dürfen und müssen aber auch hinterfragt werden.


Wo Personen von ausserhalb der Kernfamilie eine wichtige Rolle spielen, werden diese – in Absprache mit den Sorgeberechtigten – ebenfalls in die Zusammenarbeit mit eingebunden.


Die Jugendlichen erleben und erlernen in der Notfallplatzierung ... eine wertschätzende Haltung der Menschen untereinander, gegenüber sich selber und der zur Verfügung gestellten Infrastruktur. Sie werden in der Stärkung ihres Selbstwertes, in der (Weiter-) Entwicklung einer autonomen Persönlichkeit und der Erarbeitung erweiterter Kompetenzen unterstützt. Sie setzen sich mit gesellschaftlichen Normen und Regeln auseinander und werden mit altersadäquatem Verhalten, resp. der Weigerung Verantwortung zu übernehmen, konfrontiert.


Die Eltern werden in der Zusammenarbeit in Entwicklungen des Jugendlichen miteinbezogen. Gleichzeitig gibt die zeitliche und räumliche Distanz Gelegenheit, Gewohntes neu zu betrachten. Sowohl in der Interaktion mit den bei uns platzierten Jugendlichen, wie auch innerhalb der übrigen Familie und dem sozialen Umfeld. Wir regen neue Sichtweisen an, indem wir Symptome oder schwieriges Verhalten in erweiterte Zusammenhänge stellen und indem wir das Gespräch unter- einander anregen.


Ziele für den Aufenthalt werden unmittelbar bei Eintritt mit den für den Aufenthalt verantwortlichen Zuweisern und den Inhabern der elterlichen Gewalt formuliert und laufend aktualisiert.


Der Schulbesuch ist ein zentraler Bestandteil im Rahmen des Aufenthaltes und ein wichtiges Element für die Entwicklung der Jugendlichen. Da Zuweisungen in die Notfallplätze meist mit schwierigen Schulsituationen einher gehen, ist die Integration in einen geregelten Schulbesuch ein wich- tiger Bestandteil des Aufenthaltes. In einem eng strukturierten Schulsetting mit wenigen Jugendlichen, wird der Beobachtung und Weiterentwicklung der Sozial- und Selbstkompetenz im schulischen Bereich ein hoher Stellenwert eingeräumt .

Zeitlicher Ablauf des Aufenthaltes, Sitzungsstruktur