Durch das klar strukturierte, überschaubare Setting in den Notfallplätzen erleben die Jugendlichen eine Phase der Beruhigung und Stabilisierung nach einer krisenhaften Vorgeschichte. Sie erleben einen Rahmen, der neue Erfahrungen bietet und die individuelle Entwicklung ermöglicht.

Die Jugendlichen finden in den Notfallplätzen ... eine Umgebung, in der ihre Kommunikationsfähigkeit gefördert wird und in der sie sich selbst und ihr jeweiliges Gegenüber wertschätzend wahr- nehmen können. Sie werden beim Aufbau, Erhaltung und Weiterentwicklung ihrer Beziehungsfähigkeit unterstützt und begleitet.


Der sozialpädagogische Bereich bietet den Jugendlichen einen Rahmen, der ihrer Entwicklung zu einer eigenständigen Persönlichkeit förderlich ist.

Im Alltag sind Tage und Wochen klar strukturiert. Transparente Strukturen und Regeln schaffen eine grosse Verbindlichkeit und bieten Orientierung, Sicherheit und Geborgenheit. Gleichzeitig lassen sie Raum zu einer altersgemässen Entwicklung hin zu Offenheit und Eigenständigkeit. Die Jugendlichen erhalten Unterstützung beim Erkennen und Respektieren der gesellschaftlichen Normen und in der Auseinandersetzung mit diesen. Sie entwickeln in diesem Prozess zunehmend die Fähigkeit, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, wobei individuelle – von den Jugendlichen erfüllbare – Anforderungen ihr Selbstvertrauen stärken.Der sozialpädagogische Rahmen umfasst für die Jugendlichen klare Verpflichtungen, aber auch Freiräume. Darin erleben sie mögliche Konsequenzen ihres Verhaltens. Wahlmöglichkeiten und Belohnungen erleichtern die Bewältigung der alltäglichen Anforderungen.  Kulturelle Anlässe und Rituale sind feste Bestandteile unseres pädagogischen Alltags. Sich wiederholende Abläufe im Tages-, Wochen- und Jahresverlauf vermitteln Sicherheit. Durch Übergän- ge im Laufe des Tages (Morgen- und Abendrituale, Wechsel zwischen Schule und Freizeit, etc.), die immer gleich oder ähnlich gestaltet werden, können sich die Jugendlichen im komplexen Gruppenalltag leichter zurecht finden.


In der Arbeit mit den Jugendlichen in der Notfallplatzierung ... wird auf die bereits oben aufgeführte Zielsetzung konzeptionell ausgeprägt eingegangen. Die Jugendlichen treffen dort auf Strukturmodelle, die sie entsprechend ihrem Entwicklungsstand in ihren Fähigkeiten fordern und fördern, gleichzeitig aber auch ihre alters- und entwicklungsspezifischen Grenzen respektieren und hinterfragen lässt.


Schulbetrieb

Der Schulbesuch ist für alle schulpflichtigen Jugendlichen obligatorisch und fester Teil des Wochenplans.  Unter Schulstrukturen verstehen wir im Wesentlichen: zeitlicher Rahmen der Unterrichtsgefässe, Lehrpersonen und deren Betreuungsmöglichkeiten, Räumlichkeiten, Lehrmittel und –methoden und Arbeitsmaterialien.


Die Lehrpersonen verfügen über die Unterrichtsberechtigung im Kanton Aargau und haben nach Möglichkeit eine heilpädagogische Zusatzausbildung.


Die interne Schulung orientiert sich am Lehrplan des Kantons Aargau. Sie ist jedoch vom Lehrplan befreit. Die Form der Beschulung und Beschäftigung berücksichtigt die aktuelle Situation eines Jugendlichen. In der Schule werden bestehende Wissenslücken aufgearbeitet, resp. den durch den Aufenthalt verunmöglichten Schulbesuch in der angestammten Klasse überbrückt. Schwergewicht bilden dabei die Fächer Mathematik, deutsche Sprache und kreative Tätigkeiten. Teilweise auch in Zusammenarbeit mit dem sozialpädagogischen Bereich. Die Jugendlichen werden in einer Klasse, entsprechend ihrer Fähigkeiten einzeln geschult. Es ist aber auch ein themenübergreifender Projektunterricht möglich.  Reine Wissensvermittlung und die Erfüllung des kantonalen Lehrplanes können zwar geboten werden, wenn eine Jugendliche das wünscht und sich entsprechend engagieren kann. In der Regel stehen für die Jugendlichen aber andere und für die Zeit des Aufenthaltes entscheidendere Entwicklungsschritte im Vordergrund. Bei Austritt erhalten die Jugendlichen einen Schulbericht, sofern der Schulbesuch mindestens einen Monat betragen hat.


Betreuung nicht schulpflichtiger Jugendlicher

Nicht schulpflichtige Jugendliche werden, wenn gewünscht, schulisch begleitet (Aufarbeitung schulischer Defizite, Begleitung bei Lehrstellensuche, etc.).

Sind Jugendliche nicht schulpflichtig und wollen auch keine schulische Begleitung, werden sie in die Haushaltführung und den Unterhalt der Liegenschaft einbezogen. Sie können aber auch projektbezogen an Schulprojekten teilnehmen. Bei nicht schulpflichtigen Jugendlichen wird mit den zuweisenden Instanzen über nötige Tagesstrukturen, allenfalls extern, entschieden. Auch ist es in Absprache mit den zuweisenden Instanzen möglich, externe Arbeitseinsätze zu leisten.


Hauswirtschaft

Im Turnus arbeiten die Jugendlichen in der Hauswirtschaft mit. Durch den Einbezug in alle anfallenden Arbeiten (Einkaufen, Kochen, Reinigung) eignen Sie sich in einem Einzelsetting nötige lebenspraktische Fähigkeiten an und übernehmen einen Anteil an der Wohnlichkeit und der Grundversorgung im Haus.


Projekttage und Freizeitgestaltung

Neben der schulischen Förderung und Mitarbeit in den Belangen der Haushaltführung bieten wir eine aktive Freizeitgestaltung. Ausflüge in die Natur, sportliche Betätigungen und kulturelle Ausflüge dienen den Jugendlichen zu einem kurzweiligen Tagesablauf. Während schulfreien Tagen sind die Jugendlichen in Projekttage eingebunden. Dabei werden Gruppenthemen aufgenommen, Arbeiten im und ums Haus erledigt, jahreszeitenspezifische Themen bearbeitet und organisierte Freizeitaktivitäten durchgeführt.


Wochenendgestaltung

Verbringen Jugendliche ihre Wochenenden in den Notfallplätzen, wird das Betreuungsangebot auf eine aktive Freizeitgestaltung ausgerichtet .

Alltagsbewältigung und Tagesstruktur